Ein Blick in die Geschichte von Wahlbach

Entgegen vieler Erwartungen wurde Wahlbach nicht zum ersten Mal im Jahre 1006 mit der Weihung der Mörschbacher Kirche durch den Erzbischof Willigis von Mainz urkundlich erwähnt. In einer Urkunde von damals wurde der Grenzverlauf der Besitztümer des Edlen Thiederich von Mergisbach beschrieben, worin Wahlbach nicht erwähnt ist. Man kann jedoch davon ausgehen, dass eine Besiedlung Wahlbachs (oder Wallebach, Wallbach, Walbach, Walbache, so die überlieferten Schreibweisen) weiter zurückreicht. Hierauf lassen etwa 15 Grabhügel schließen, die im Sparrenwald zwischen dem Feldweg nach Benzweiler und der Landstraße nach Mörschbach liegen.

Links des Benzweiler Weges soll in früherer Zeit ein Kloster gestanden haben. Überreste davon sind heute noch zu erkennen, wobei es sich hierbei eventuell um ein Wirtschaftsgebäude des Klosters handeln könnte. Es wird vermutet, dass dieses Kloster während der Raubkriege Ludwig XIV. (1688-1697) zerstört wurde.

Auch die 2000 Jahre alte Römerstraße führte dicht am Ort vorbei. In der Römerzeit verband diese Straße die Städte Mainz und Trier. Sie führte vom Rhein aus über Rheinböllen, Simmern, Kirchberg, Morbach bis an die Mosel. Überreste hiervon sind noch heute im so genannten Straßenwald erkennbar.

Die erste urkundliche Erwähnung der Gemeinde Wahlbach geht bis auf das Jahr 1135 zurück. Vor nunmehr 877 Jahren gab es eine Urkunde, in der der Erzbischof Adalbert I. aus Mainz dem Kloster Ravengiersburg eine Schenkung des Ritters Emich von Wahlbach bestätigte. In verschiedenen Dokumenten tauchen immer wieder Edelherren von Wahlbach auf, so auch im Jahr 1231. Hierin taucht auch ein Siegel des Werner von Wahlbach auf. Es zeigt ein nach unten zugespitztes Schild mit zwei gepanzerten, gekreuzten Armen und zwei Ringen, die zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten werden. Zum letzten Mal wurden die Edelherren von Wahlbach in einer Urkunde vom 26. Dezember 1258 genannt. Wenige Zeit später ist das Geschlecht der Edelherren wohl erloschen.

Im 11. Jahrhundert zerfiel die Grundherrschaft des Edlen Thiederich von Mergisbach. Einige Orte wurden zwischen den Edelherren von Wahlbach und derer van Dyck geteilt. Auf Grund urkundlicher Zeugenreihen und der Tatsache, dass beide Familien in wegen der Teilung in verwandtschaftlicher Beziehung zu einander standen, wird davon ausgegangen, dass die Edelherren von Wahlbach und die Edelherren van Dyck allesamt vom Edlen Thiederich von Wahlbach abstammen.

Nach der Ortschronik wurde Wahlbach in dem pfälzischen Erbfolgekrieg (dem 3. Raubkrieg), der in den Jahren 1688 – 1697 wütete, zerstört.

An der Stelle, wo heute das Kriegerdenkmal steht, stand in vergangener Zeit eine Kapelle mit 3 Glocken. Sie wurde 1417 erstmals urkundlich erwähnt und diente vor der Reformation zunächst allen Einwohnern als Gotteshaus. Die Kapelle wurde während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) ein Opfer der Flammen. Während der Cauber Kirchenteilung im Jahre 1705/1706 wurden die Überreste der Kapelle der evangelischen Bevölkerung zugesprochen. Ihre fensterhohe Ruine stand noch bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Das heutige Ortswappen der Gemeinde Wahlbach, genehmigt von der Bezirksregierung Koblenz am 15. Januar 1981, zeigt neben dem nach rechts schauenden goldenen Löwen den in der Ortsmitte stehenden Glockenturm. Der goldene Löwe erinnert an die ehemalige Zugehörigkeit des Ortes zum Herzogtum Pfalz-Simmern und zum Kurfürstentum Pfalz.

Einen großen Einschnitt in die Wahlbacher Bevölkerungszahl gab es Mitte des 18. Jahrhunderts. Durch wirtschaftliche schlechte Zeiten und damit verbundener großer Armut wanderten in den Jahren 1741 bis 1859 insgesamt 55 Personen aus Wahlbach aus, davon eine Person nach Pfalzdorf am Niederrhein, 43 Personen nach Brasilien und 11 Personen nach Nordamerika.

Maßgeblich geprägt in schulischer und kultureller Hinsicht wurde Wahlbach von seinen Dorfschullehrern.

1557 bewirkte die Gemeinde Wahlbach zusammen mit Mörschbach bei dem Kurfürsten Friedrich in Simmern wahrscheinlich zu ersten Mal die Errichtung einer Schulstelle und erhielt am 17. Oktober des gleichen Jahres die Genehmigung, einen Schulmeister anzustellen. In einer Urkunde aus dem Jahre 1638 wird ein Schulmeister namens Franz Klüppels genannt. In der neueren Zeit tritt Lehrer Brendel am 1. Oktober 1904 den Schuldienst in Wahlbach an. Er hat sich dadurch hervorgetan, dass er 1904 den Männergesangverein Wahlbach mit begründete und auch Anfangs dessen Dirigent war. Ihm folgte für kurze Zeit vom 1. Oktober 1908 bis zum 31. Oktober 1909 Lehrer Wagner.

In besonderer Weise zur Entwicklung der Bildung und der Kultur in Wahlbach beigetragen hat Lehrer Heinrich Bender, der vielen der älteren Generation noch gut in Erinnerung sein dürfte. Er begann seinen Schuldienst am 1. Oktober 1909 und unterrichtete die Wahlbacher Kinder, mit einigen Unterbrechungen durch Wehrdienst und Kriegsgefangenschaft, bis 1952. Gleichzeitig war auch er Dirigent des Männergesangvereins Wahlbach. Er wurde nach 45 Dienstjahren, davon 42 ½ Jahren in Wahlbach, am 31. März 1952 in den Ruhestand versetzt. Sein Nachfolger wurde vertretungsweise von März 1952 bis 8. November 1952 Lehrer Kremers.

Von diesem Tag an bis zum 1. April 1962 führte Lehrer Reinhold Hofmann das Lehreramt an der Wahlbacher Schule. Auch Lehrer Hofmann war lange Zeit Dirigent des Männergesangvereins. Ihm folgte Hartmut Nitze, der bis zu den Sommerferien 1969 die Wahlbacher Schule leitete und nach deren Auflösung zur Hauptschule nach Simmern versetzt wurde. Alle vier Dorfschullehrer, Herr Brendel, Herr Bender, Herr Hofmann und Herr Nitze führten während Ihrer Dienstzeit die Wahlbacher Dorfchronik, Lehrer Nitze führte die Chronik noch darüber hinaus bis zum 6. Dezember 1996.

In Wahlbach gibt oder gab es mehr Vereine als man denkt. Der Männergesangverein wurde, wie jeder weiß, im Jahre 1904 gegründet.

In das Jahr 1909 dürfte die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr fallen. Hiervon gibt es zwar keine Gründungsurkunde und kein Bericht in der Ortschronik. Von der Gründung könnte jedoch die Aufschrift „Freiwillige Feuerwehr – 1909 – Wahlbach“ auf dem alten Spritzenwagen zeugen, der heute noch erhalten ist.

Im Jahre 1922 wurde in Wahlbach sogar ein Fußballverein gegründet, der jedoch nicht sehr lange bestand.

Am 22. Oktober 1927 wurde von 22 Mitgliedern der Wahlbacher Spar- und Darlehnskassenverein gegründet.

Im März 1928 wurde zunächst die Gründung einer Molkerei abgelehnt. Die Molkerei sollte in Wahlbach oder einer der Nachbargemeinden entstehen. Im Frühjahr 1931 schloss sich der größte Teil der Wahlbacher Bauern dann der genossenschaftlichen Molkerei Kirchberg an. Die erste Milchabholung erfolgte am 15. Mai des gleichen Jahres mit dem Lastwagen von Peter Lenhard.

Auch gab es in Wahlbach eine Mühlengesellschaft, die gemeinschaftlich die Fuchsenmühle betrieb. Die Gesellschaft war in 53 Anteile aufgeteilt, von den sich 33 Gesellschaftsanteile in Wahlbach befanden. Am 13. Dezember 1963 wurde die alte Mühle vom Notar auf seinen neuen Besitzer, die Familie Armbruster aus Mainz, überschrieben. Die Fuchsenmühle ist das älteste noch heute erhaltene Gebäude in Wahlbach.

In das Jahr 1976, also schon etwas in die neuere Zeit, fällt die Gründung des Wahlbacher Jungendraumes. Die Einweihung fand an Silvester des gleichen Jahres statt. Die Mutter-Kind-Gruppe wurde 1988 gegründet und kurz danach, im Jahr 1989 wurde auf Initiative der jungen Eltern der neue Spielplatz gebaut.

Der technische Fortschritt machte natürlich auch vor Wahlbach keinen Halt.

Die erste Wasserleitung wurde im Frühjahr 1913 zusammen mit der Gemeinde Schnorbach gebaut. und 9 Jahre später am 31. August 1922 wurde die elektrische Stromleitung im Dorf fertig gestellt.

Am 31. August 1931 kam zum letzten Mal der Landbriefträger zu Fuß (oder mit dem Fahrrad?) nach Wahlbach. Ab dann kam das Postauto aus Simmern, mit dem auch die Einwohner für deine Obolus von 70 Pfennig mit nach Simmern fahren konnten.

Im Jahr 1937 wird von der Anschaffung der ersten Sämaschine und des zweiten Bulldogs berichtet. Die erste Getreide-Mähmaschine wurde 1940 erworben und im Jahr 1957 die erste Einmann-Dreschmaschine. Ins gleiche Jahr fiel auch die Anschaffung der ersten beiden Melkmaschinen, die vornehmlich den hart arbeitenden Bauersfrauen zu Gute kamen. Auch wurde 1957 die elektrische Dorfbeleuchtung in Wahlbach installiert.

Das letzte Kuhgespann auf den Wahlbacher Feldern ist im Jahre 1960 verschwunden. 1974 wurde von der Post das erste öffentliche Telefonhäuschen im Ort aufgestellt, schräg gegenüber dem jetzigen Standort.

Weitere Verbesserungen der Lebensqualität im Ort brachten sicherlich die stetige Erneuerung der Wasserleitungen und der Kanalisierung sowie die ständige Renovierung und Ausbau einzelner Ortsstraßen.

Viele der älteren Generation können sich sicher noch an das alte Schulhaus erinnern, das gegenüber des heutigen Brunnens am Anfang des Unterdorfes stand. Es wurde 1824 erbaut. Im Jahre 1953 wurde der Bau der neuen Schule beschlossen, so dass die Schüler 1955 ausziehen mussten und die neue Schule besuchten. Das alte Wohnhaus wurde 1966 abgerissen; das alte Wirtschaftsgebäude und die eigentliche Schule im Jahre 1971. Die neue Schule wurde am 10. Dezember 1955 eingeweiht und bis zum September 1969 als solches genutzt. Danach wurde das Gebäude zum Gemeindehaus umfunktioniert. Der erste Umbau erfolgte 1976. Die erste Veranstaltung war eine Hochzeit am 19. Juni 1976. Ein weiterer großer Umbau wurde im Herbst 1991 begonnen und die Einweihung des Gemeindehauses, so wie es heute steht, fand am 24. April 1993 statt.

Ein weiteres markantes Gebäude war das alte Wahlbacher Backes. 1910 wurde das alte Gebäude abgerissen und ein größeres Bauwerk entstand an der gleichen Stelle mit einem großen Gemeindesaal und anderen nützlichen Nebenräumen. In Rahmen des Neubaues der Ortslage wurde das baufällige Gebäude 1979 abgerissen.

Am Volkstrauertag 1960 wurde das Kriegerdenkmal in der Ortsmitte eingeweiht.

Im Jahr 1961 wurde von der Raiffeisenkasse in der heutigen Raiffeisenstraße ein neues großes Lagerhaus gebaut.

Der Neubau der Leichenhalle fällt in das Jahr 1976.

Beim Durchlesen der Ortschronik findet man auch einige Passagen, über die es lohnt nachzudenken oder auch einige interessante und zum Schmunzeln anregende Seiten.

So fand am 10. August 1922 zunächst probeweise ein Viehmarkt in Wahlbach am „Parrackerschlag“ statt. Aus den 15 umliegenden Dörfern wurden rund 100 Stück Vieh aufgetrieben.

Horrende Summen für Ackerland wurden bezahlt. So zum Beispiel im Jahr 1933. Dort wurden für den Verkauf von 644 Ruten Land (ca. 1,53 Hektar) 6828 Reichsmark bezahlt. Dies entsprach einem Hektarpreis von 4562 RM, für damalige Verhältnisse eine Menge Geld.

Zum Schmunzeln anregen dürfte ein Bericht aus dem Jahr 1951. Hieraus geht der Schweinebestand des Ortes hervor. Innerhalb von 9 Monaten wurden 150 „fette“ Schweine an Metzgereien verkauft. Auf das ganze Jahr gerechnet waren dies ca. 200 Schweine und rechnete man damals jedes Schwein mit ca. 100 kg Schlachtgewicht, so haben fast 20000 kg Schweinefleisch den Ort verlassen. Hinzu kommen noch ca. 70 Schweine (=7000 kg) für Hausschlachtungen. Bei 200 Einwohnern ergibt dies einen Verzehr von ca. 35 kg Schweinefleisch pro Einwohner übers Jahr.

Auch wurde Wahlbach öfters von Viehseuchen überfallen. Erstmals im Jahre 1903 wurde vom Ausbruch der Maul- und Klauenseuche berichtet. Die Seuche dauerte bis Mai 1904 an. Die Krankheit brach dann wiederum im Jahr 1938 aus. Aus einem Schulaufsatz von Emil Mayer (dem im Krieg gefallenen Bruder von Erika Berg) geht hervor, dass ein Viehhändler unter anderem an drei Bauern im Dorf verseuchte Schweine verkauft hat. Nur 6 Gehöfte wurden von der Seuche verschont. Die Quarantänemaßnahmen wurden ausgerechnet zur Haupterntezeit am 10. August verhängt und endeten am 19. Oktober. Betroffen war auch das Schulleben. Wegen der Quarantäne konnten am 14. Oktober 1938 lediglich 5 Kinder die Schule besuchen.

Ein weiteres Mal brach die Maul- und Klauenseuche am 15. Dezember 1951 aus. Es war jedoch nur ein landwirtschaftliches Anwesen betroffen.

Von einer weniger üblen, jedoch einer ärgerlichen „Seuche“ wurde Wahlbach im Jahr 1957 heimgesucht, nämlich einer größeren Mäuseplage. Diese grassierte so schlimm, dass eine Firma mit einer großen Mäuse-Vertilgungsmaßnahme beauftragt wurde und von jedem Haus musste ein Mann dabei helfen, großflächig vergifteten Roggen und Weizen in der Gemarkung auszulegen.

Am 20. Juni 1950 kamen im Rahmen der Umsiedlung von Ostvertriebenen die ersten 16 Flüchtlinge in Wahlbach an und wurden in 3 Haushalten einquartiert. Am 17. Oktober folgten dann nochmals 9 Personen, welche in 2 Haushalten untergebracht wurden.

Erstmals im Jahre 1961 nahm die Gemeinde an der Aktion „Schönes Dorf“ teil. Wahlbach kam auf den 62. Platz von insgesamt 98 Teilnehmern.

Am 28 November 1969 stimmte der damalige Gemeinderat für den Verbleib der Gemeinde Wahlbach in der Verbandsgemeinde Simmern ab. Am 17. Mai 1970 wurde dieser Beschluss in einer Wahl durch die Bürger bestätigt. Von 129 wahlberechtigten Bürgern sprachen sich 123 für den Verbleib in der Verbandsgemeinde Simmern und gegen die Eingliederung nach Rheinböllen aus.

Erläutert sei zum Schluss die Bedeutung des Gemeindetages, des Perreschdaachs, in Wahlbach.

Die Tradition geht zurück bis ins Jahr 1765. In der damalig verfassten Gemeindeordnung wurde bestimmt, dass der Gemeindetag auf den Tag „Peter Stuhlfeier“, dem 22. Februar fällt und an diesem Ereignis die Wahl des Bürgermeisters stattfindet. Jeder musste dieses Amt annehmen und jeder hatte zu erscheinen. Der Bürgermeister musste die Gemeindeordnung öffentlich laut und langsam vorlesen. Tat er dies nicht, so musste er 15 Gulden Strafe zahlen. Alle Wahlbacher männlichen Bürger trafen sich also lange Zeit alljährlich in dem Gemeindesaal auf dem Backes. Wahlbacher Bürger war man, wenn man Land von der Gemeinde gepachtet hatte und zu Fron- und Gespanndiensten herangezogen wurde. Schon mittags traf man sich und wurde von der Gemeinde kostenlos mit Essen und viel Trester bewirtet. Wer sich der Gemeinde gegenüber durch irgendwelche Missetaten strafbar gemacht hatte und auch neue Bürger, sowie Hoferben, mussten einen Liter Trester ausgeben. Wie dies endete, ist nicht schwerlich zu erdenken Wie man in der Dorfchronik nachlesen kann, wurde diese männliche Tradition am Peereschdaach 1975 durch eine Gruppe von singenden Frauen, die in den Saal „einfielen“, gebrochen. Fortan nehmen alle Bürger, auch Frauen und Kinder am Gemeindetag teil. Noch immer findet der Gemeindetag in Wahlbach traditionell am Samstag nach dem 22. Februar statt.

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